Zwischen Sinn und Sein
- Maik Seitz

- 12. Sept. 2025
- 24 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 25. Sept. 2025
Prolog
Ein Jahr, Zweiundfünfzig Wochen, Dreihunderfünfundsechzig Tage, eine lange Zeit, die wie mit einem Fingerschnipps verging. Erlebtes erscheint mir nicht mehr wie ein Gestern dennoch immer noch Präsent und so unwirklich. Die Zeit heilt nicht die Wunde aber wirkt wie ein Pflaster. Es ist doch irgendwie ein wenig Zynisch was das Hirn mit einem macht, Gedanken und Bilder an denen man hängt verblassen und wiederum gibt es Erinnerungen auf die man gut und gerne Verzichten kann, diese aber sind omnipräsent und wollen einfach nicht verschwinden.
Um Frieden zu finden hat dieses Jahr nicht ganz gereicht allerdings herrscht gerade Waffenstillstand und ich bin in Verhandlungen mit mir, was vor einigen Monaten noch undenkbar war.
Dem Aquaplaning des Lebens bin ich entkommen, die Schleudergefahr ist gebannt und mein Fuß tritt schon wieder aufs Gaspedal. Mit einem Anhänger voller Erinnerungen beschleunigt es sich schwer, gleichwohl nehme ich wieder Fahrt auf.

Ich habe Hilfe bekommen als ich Sie brauchte, ich habe einen Arschtritt bekommen als es Not tat. Diese kleine Reise in die Vergangenheit, brauche ich im hier und jetzt, in der Gegenwart um in der Zukunft anzukommen. Jeder hat so sein Päckchen zu tragen und verarbeitet es anders, ich für mein Teil brauche Rituale, brauche das Tun um die Verluste zu verarbeiten. Mein Blog mein Ventil.
Viereinhalb Orte habe ich für meine Reise ausgewählt, da ist unserer erster Urlaubsort wo ich mich auf eine Suche begebe. Der Deich wo Wir hätten Morgen vor genau einem Jahr unser Ja Wort gegeben hätten. Unser allererster Ausflug an die Nordsee, Ja immer noch, es war nur Matsche zu sehen und zum Schluss werde ich Ausschau halten nach einem Regenbogen, die Chancen stehen gut, scheinbar erwarten mich Vier Tage Regen. Auf dem Rückweg werde ich noch einmal eine Pause in unserer Lieblingsstadt einlegen.
Übrigens, Stimmung ist Heiter und gespannt, ich freue mich auf die Tour und werde sicherlich wie ein alter weißer Mann in schwülstigen Erinnerungen abschweifen, würg.
Noch etwas zur Warnung, so theatralisch wie ich manches mal bin habe ich die einzelnen Stationen der Fahrt in Kapitel aufgeteilt, da ich einige Texte schon vorgeschrieben habe wird eines von den Kapitel mit einer Triggerwarnung hinterlegt sein. Wer also etwas Zartbeseitet ist, einfach drüber hinweg lesen. Klingt wahrscheinlich auch schlimmer wie es sich dann im nach hinein herausstellen mag.

Apropos herausstellen, bevor ich Alexandra kennen lernte waren Urlaube nie ein Thema für mich, meine Einstellung vorher. Es kostet nur Geld und man hat hinterher nichts davon, dass die Erinnerungen so viel mehr Wert sind als alles andere was man sich für das gesparte Geld hätte kaufen können stellt sich für mich erst jetzt heraus.
So, Munter bleiben Kindas, bis Morgen
Maik

Kapitel 1 Auf der Suche nach Lamanca
Schätzungsweise hängen etwa mehrere einhunderttausend Vorhängeschlösser an der Hohenzollernbrücke in Köln, die Mühe, diese zu zählen hat sich wohl noch keiner gemacht. Weiterhin schätzt man das die Schlösser ein Gesamtgewicht von ca, 40 bis 60 Tonnen haben müssen.

Eines von den Schlössern gehört zu Uns, es war die erste gemeinsame Reise mit Alexis und mir, ich schleppte Sie den Kölner Dom hoch, 533 Treppenstufen und ein Fahrstuhl. Das mit dem Fahrstuhl bekam Sie erst mit als Wir oben auf der Plattform waren, erstaunlich was für Flüche aus diesen Mund kommen konnten. Schockierend. Jahre später haben Wir uns gefragt ob das besagte Vorhängeschloss wohl noch hängen mag und heute werde ich es heraus finden.
Schwierig könnte es werden, eil die weil ich nur zwei Bilder habe von den damaligen Tag auf der Brücke, weil Wir von mehreren einhunderttausend Schlössern reden und ich nur eine leicht verklärte Erinnerung habe wo Wir die Schlüssel in den Rhein warfen.
Woran ich mich aber sehr gut erinnern kann ist der gemeinsame Abend auf den Treppen zum Kölner Dom, das perfekte Sommerwetter, Alex in meinen Armen, Beide ein Pappbecher Kaffee in unseren Händen und die romantischste Stimmung ever. Kitsch, Deine Namen an den Abend waren Alexandra und Maik.

Und wenn es mit dem finden nichts wird, aber den Pappbecher mit Kaffee auf den Treppenstufen vor dem Dom, den gönn ich mir.

Kapitel 2 ein Leuchtturm voller Gedanken und Luftschlösser
Es war der 24.01.2023 wo ich auf Sylt, einen Tag vor Ihren Fünfzigsten Geburtstag, stilecht vor Ihr knieend, um Ihre Hand angehalten habe. Sie sagte immer, ich sage nur Ja bis ich Fünfzig werde, danach kannst Du es vergessen. Diese „Drohung“ nahm ich mir natürlich zu Herzen. Der Timer lief langsam ab und ich wählte, ja da haben Wir wieder den Romantiker, den nördlichsten Landpunkt Deutschlands aus, der „Ellenbogen“ auf Sylt. Strand wohin das Auge reicht, inklusive Wasser wohin das Auge reicht. Nach zähen Verhandlungen sagte Sie dann endlich auch Ja. (Stimmt gar nicht, sie sprang mir sofort um den Hals, So sieht es nämlich aus.)

Wir bauten und planten Schlösser auf, der Ort Ihrer Träume für die perfekte Hochzeit, der Pilsumer Leuchtturm, der perfekte Tag, der 13.09.2024, heute vor genau einem Jahr. Freitag der 13te. Einerseits meinte Sie das kann nur ein Glückstag sein, andererseits sagte Sie auch immer, damit ich mir diesen Tag besser merken kann. Was Zahlen und Daten angehen, nun, mein Verhältnis dahingehend ist da eher ambivalent. Anders gesagt, was das angeht taugt mein Kopf nur zum Haare schneiden.

Und dann, Tja, bei uns kam es zu einer finanziellen Wende, Wesersteine lief irgendwann einmal nicht mehr, perfektes Timing meine AugenOPs, Monatelanger Verdienstausfall zerrte unsere Reserven auf ein Minimum, von Luft und Liebe allein lebt es sich schlecht. Ich bemerkte wie Alex sich, was die Hochzeit anging immer weiter reduzierte, aus dem Brautkleid wurde ein Kleid von Shein, dann eine Jacke eine Jeans. Erst ein Catering, dann meinte Sie dass Sie ja auch einiges selber machen könnte. Ich war nicht in der Lage diesen Verfall aufzuhalten. Ich hätte Ihr so viel mehr geben wollen. Zum Schluss blieb nur der Ort, der „Ottoleuchtturm“, ich zog ein Schlussstrich und bat Alex unsere Hochzeit zu verschieben. Es war Ihrer nicht würdig. Natürlich willigte Sie ein und dennoch weiß ich jetzt wie sehr ich Ihr damit weh getan habe. Ihren Kummer darüber trage ich wohl noch einige Tage weiter. Aber Wir wissen ja bereits, wofür gibt es Pflaster?!?

Nichts desto trotz, ein schöner Ort voller Erinnerungen und Liebe, Wir wusste da noch nicht was kommen wird, die vergangene Gegenwart verschont von der Zukunft. Der Wille ist da, diesen Ort als etwas schönes zu betrachten. Vorhin noch auf der Suche nach einem Vorhängeschloss, so habe ich dieses mal eines dabei um es hier zu befestigen. Da haben Wir es wieder, Rituale und Zeichen, ich bin so einfach gestrickt.
Kapitel 3 Briefe ins Nichts
Liebe Alexandra,
Der Tag nahm sich dann doch noch schwerer als erwartet. Vielleicht mangelt es auch nur ein wenig an Schlaf, nichts genaues weiß man. Der Beginn war Vielversprechend, Köln ist ja mal irgendwie anders, Ich kann Dir von der Type mit der Krücke erzählen der um sich schlug und schrie. Erstaunlicherweise war er dann trotz fliegendem Krückstock sehr leichtfüßig auf den Füßen. Eventuell so eine Art Wunderheilung. Oder der Obdachlose, der in einer gerade Linie auf dem Boden schlief, Was daran besonders ist? Er schlief dabei auf dem Bauch, seine Arme an seinen Körper gepresst als wäre Er Superman him self und seine Nase und Stirn lagen halt auf dem nackten Asphalt. So pennte er vor sich hin. Dann hatte ich es mit dem abgenervtesten Kaffeedealer ever zu tun. Bei jeder entnervten Antwort, als würde ich seinen Erstgeborenen kaufen wollen, pendelte Sein Kopf hin und her, ich wusste also nicht genau ob ich Schmunzeln sollte oder mich für die Frechheit meiner Bestellung entschuldigen.

Meine Antworten werde ich mal durch die KI jagen, bin gespannt ob die beiden Ironie und Sarkasmus verstehen.
Ach ja, das besagte Schloss, ich kann Dich beruhigen, es hängt noch, genau da wo Wir es damals am Gitter befestigt hatten, Etwas ramponiert aber zweifelsohne Unseres. Etwas über eine Stunde habe ich gebraucht um es zu finden. Oder um es in Parkgebühren zu sagen, etwa 6,50 €. Wenn es keiner weg nimmt wird es mich auch noch aushalten. Mehrere 100000 Schlösser und nur eine Stunde suchen, Bääämmm, so sieht es nämlich aus. (Mikro fallen lässt)
Tja, der Leuchtturm , nun der weckte mehr Kummer und Schmerz als erwartet obwohl ich meinte das ich mich vorweg gefasst habe. Vor Ort war ein Fotoshooting eines Brautpaares, perfektes Timing, nicht wahr, Alex? Leider war es nicht unser Fotograf, vielleicht hätte ich Ihn angesprochen. Habe mich dann etwas distanziert und bin noch spazieren gegangen, denke mal mein Gesicht wollte man an so einen Tag nicht sehen. Dann hat mich natürlich eine Schlechtwetterfront erwischt, das erste mal durch gewesen. Die im hohen Norden können waagerechten Regen. Muss denen einer mal nachmachen. Dafür hatte ich dann noch einige Minuten Alleine am Turm. Think positiv.

Habe übrigens ein hübsches kleines Zimmer, für keine 60 Euro gefunden in dem ich gerade diese Zeilen schreibe. Ja Ja, Sparfuchs, sag es!
Wäre alles perfekt verlaufen hätten Wir heute unseren ersten Hochzeitstag, darum dachte ich mir das ich Essen gehe, ich wollte ins Resatuarant wo Wir mit Dennis und Heiko waren, Rein theoretisch hätte es gleich vor der Haustür sein müssen, war es auch, also knapp Vier Kilometer vor der Haustür entfernt und es war keine Pizzaria mehr sondern ein Eiscafé. Es gab dann ein Dönerteller von den multikulturellen Döner Gyros Grill mit Italienischer Bewirtung. Auf dem Rückweg war ich dann das zweite mal durch, Diesmal lange in die Klamotten kriechende Bindfadenregen.
Es ist seltsam ohne Euch hier zu sein, Alexandra. Ich vermisse Euch Beide immer noch sehr. Es hätte wahrlich nicht so enden dürfen. Aber ich glaube ein wenig habe ich mich schon entwickelt, mein Kummer beruht gerade nicht auf Schuld, sondern einfach nur um die Trauer um Dich, um Euch. Das ist doch mal was, Der Schmerz ist der Gleiche aber mal ohne Selbstvorwürfe. Hey, es geht aufwärts. Chaka.
Ich gestehe etwas fürchte ich mich schon vor Sylt, ja natürlich fahre ich zur Sansibar und ja natürlich, wenn Sie aufhaben sollten, trinke ich da auch einen Kaffee, versprochen. Macht es mir am Montag bitte nicht zu schwer, ja? Dieses „Alleine sein“ war vor Dir super und ist nach Dir, manchmal so unbeschreiblich schwer.
Doch ich finde ich schlage mich ganz gut, ich mache keine Dummheiten und Zweifel habe ich auch keine mehr. Ich schaffe das schon, mach Dir keine Sorgen. Es hilft ja alles nichts, durch diesen Schmerz muss ich halt durch.
So, ich muss ins Bett, der Tag war anstrengend. Morgen geht es weiter, befürchte das ich morgen die gleichen Kilometer runter rattern muss wie heute.
Bis Morgen mein Schatz
Maik

Kapitel 4 „Matsche, wohin das Auge blickt nur Matsche“
Meine Worte zu Alex als ich das erste mal die Nordsee live und mit eigenen Augen sah und das wr auch so. In meine Kindheit habe ich meinen Urlaub mit meinen Eltern in Bayern verbracht, ganz spießig Deutsch halt und danach als Single war ich dann eher selten weg, zumindest nicht was Urlaub angeht.
Es war eine Nacht und Nebel Aktion, zu Alexandra sagte ich das Wir eine Nacht im Harz verbingen, im Bulli übernachten den ich damals noch als Firmenfahrzeug mein Eigen nannte. Oh, da trauere ich auch hinterher, der war toll. Lange Rede kein Sinn, Sie bemerkte doch erst kurz vor Bremerhaven das Wir nicht in den Harz fahren. Oft wiederholt und immer noch treffend, Orientierungssinn wie eine tote Taube.

Es existieren gerade mal zwei Fotos von dieser Tour, das eine nicht Jugendfrei, weil ich halbnackt gegen den Wind pinkel. Ja ich weiß, zuviel Infos, NACKT GEGEN DEN WIND. Und das andere hat mit geholfen diesen Ort wieder zu finden. Ich bin nämlich auf blauen Dunst losgefahren, einfach immer nur Bergab und der salzigen Luft hinterher. Jahre Später wusste ich nicht mehr wo es war bis ich die beiden Bilder wieder fand, Ein kleiner Hafen zu sehen und die Fischerboote hatten Dorum als Heimathafen an Ihren Bordwänden stehen. Geheimnis gelöst.

Nun, wir kamen in der Nacht an und als der Tag graute ich die Schiebetür aufmachte. Wir standen ziemlich Dicht an der See, da war halt nur Schlamm und Schlick zu sehen.
Der Anfang meiner Liebe zur See, dazu kam es erst später bei Flut. Hat auch nicht lange gedauert und Alexis hatte mich angesteckt.

Der nächste Ort, Dorum, laut Karte ungefähr eine Daumengröße unterhalb von Cuxhaven. Ich kann mich erinnern das ich damals den Fischereihafen mochte, er hatte etwas Idyllisches an sich gehabt. Unsere erste Reise an die Nordsee. Dann wollen Wir da mal nach dem Rechten schauen.
Funfact, Jahre Später sagte Alex mal zu mir das Sie den Harz schon immer „scheiße“ fand und nur mir zu Liebe dahin gefahren wäre. Puhhhh. Glück gehabt.
Nachtrag, geschlafen wie ein Stein. Bestgelaunt und ich freue mich auf die Tour und die Nordsee, habe noch nicht auf den Tidenkalender geschaut und lasse mich überraschen was mich erwartet, Wasser oder Matsche.
tja, ich Spoiler auch Mal wieder bis heute Abend kommt dann wieder mehr. Ich fahre jetzt 200 km entfernt zu meiner nächsten Unterkunft. Auf nach Husum.


Tja Dorum, Was blieb hängen?!? Erst einmal die Tageskarte, für 300 Meter Dammweg habe ich 10,50 € bezahlt, das war mal eine Ansage, Parkplatz für etwas über zwei Stunden, 6,00 €. Aber was gutes, neben dem kleinen Matschehafen gab es kleine Buden, Imbisse und Co., und da habe ich von einer jungen Mutter einen Kaffee geschenkt bekommen. Ich hatte bei Ihr etwas zu Essen bestellt, Super Pommes, kam so dann auch ins Gespräch und Sie drückte mir die Tasse in die Hand, Übrigens, mit einem typisch Deutschen Spruch, „bevor ich Ihn weg kippe.“ Ändert aber nichts daran das ich mich darüber gefreut habe.

Die Rückfahrt aus dem Dorf einmal vorweg genommen, konnte ich mich an das Hotel, linke Hand erinnern wo Wir früh morgen einen Kaffee aus dem guten Lande „Togo“ bekamen. Und rechts, nur etwas versteckt hinter Gebüsche, ganz viele kleine Datschen die Hauptsächlich nur aus Dach bestanden. Schon witzig, daran kann ich mich erinnern aber nicht welche Farbe meine Socken haben. (Stimmt natürlich nicht, Schwarz Rot Grün mit Weihnachtsgeschenken drauf)
Ansonsten hatte ich einen Schwachen Moment aber da komme ich gleich noch einmal drauf, Elbfähre, preislich Ok, falls Ihr die mal benutzen wollt, 13,20 €. Es sei denn Ihr habt ein Wohnmobil, Mein Nachbar mit seinem Wohnklo musste nämlich 32 Euro bezahlen, Der war eventuell am Schlucken. Mit meinem Zimmer hätte ich es nicht besser haben können. Dachgeschoß, Außenterasse, Ehemaliger Bauernhof, Minischweine, Mehrschweinchen, Hasen mit den fettesten und flauschigsten Ohren ever. Große Pferde, kleine Pferde, Gänse Hühner und Ihre Küken. Voll das Treiben hier. Auf dem Deich musste ich mich durch 100derte Schaffe drücken. Alles perfekt bis morgen um Sechs dann geht es auf die Insel.

Vorab wollte ich aber noch einige Dinge erklären bevor ich ins Bett gehe, einer meiner zehn durchhaltenden und Leidensfähigen Lesern hat eine Frage gestellt. Also mache ich mir einen Kaffee und Rauche draußen noch eine dann geht es aber so was von Los. Aber so was von, das will ich ja mal sagen.
So, habe ich schon erwähnt wie Idyllisch das hier ist?
Machen Wir mal ein FAQ daraus,
Warum sind alle Bilder bearbeitet?
Ich habe, soweit ich mich erinnern kann alle alten Bilder in schwarzweiß zeichnen lassen und nur Alexandra und Emma in Farbe, dass hat für mich Sinn ergeben weil ich damit ausdrücken will das die Vergangenheit als solche belassen will, das Sie langsam aufhört mich zu triggern aber Alexandra und Emma immer ein Teil von mir bleiben werden, also ich nicht vergessen will. Darum die Farbe. Soll keiner sagen das ich nicht zumindest versuche Tiefsinnig zu sein.
Guter und schlechter Schmerz?
Wenn ich an Alex oder an Emma denken muss kommt viel Kummer und Schmerz hoch, nicht immer und ich habe das Gefühl das es langsam anderen Gedanken weicht und dennoch schmerzt es noch erheblich. Das ist ein Schmerz den ich mir gestatte, weil der aus dem Kummer, aus dem Verlassen werden hervor kommt. Dieser Schmerz ist wohl dazu da damit es langsam besser wird. Heute zum Beispiel hatte ich einen Moment wo ich auf einer Liegebank in Dorum vor mich hinwippte und ich mir sagte das ich langsam los müsse. Da war der eine kleine Moment wo ich Alex neben mir fühlte und ich musste mich aufraffen um den Ort zu verlassen. Das war sehr schmerzhaft aber nicht zu vermeiden.
Und jetzt kommen Wir zu den anderen Schmerz wo ich gegen Arbeite, ich empfinde eine starke tiefe Schuld in mir das Alexandra und Emma nicht mehr bei Uns sind. Ich kann es nicht abstellen, habe soviel versucht und das los zu werden. Das spiegelt sich zum Beispiel in Dinge wieder die mich erfreuen. Hm, wenn ich zum Beispiel guten Umsatz gemacht habe. Oder etwas was mich zufrieden stellt. Sei es Ware verräumen, Ähnliches. Dann setzt sofort ein fies schlechtes Gewissen ein, das stet mir ja nicht zu, das ist nichts was ich verdient hätte. Dann denke ich daran hätte ich besser aufgepasst, Und so weiter und so fort, Ein Abwärtsspirale setzt ein und dreht und dreht und dreht. Nervig, schmerzhaft und verbraucht einen „Arschvoll Energie“ um das wieder los zu werden. Das meine ich mit toxischen Schmerz. Klappt aber, will ich mal erwähnen gerade ganz gut.
Warum ein Blog?
Weil ich sonst Platze, ich muss meine Gedanken los werden. Nur schreiben Alleine hilft nicht, ich muss die Gewissheit haben das es gelesen wird. Mein Blog ist quasi mein Ventil und das klappt auch ganz gut. Jeder kann hier selber entscheiden ob er weiter liest oder nicht, ich dränge mich also nicht auf, ganz anders wenn ich mit Jemand reden würde, mal davon abgesehen für Tiefe Gespräche hätte ich keinen aber wenn würde ich immer denken das mein Gegenüber genervt oder gelangweilt ist.
Warum diese Kapitelüberschriften?
Ich bin Theatralisch, „La manca“ zum Beispiel, Don Quijote und sein Kampf gegen die Windmühle, er kommt halt aus La Manca, ich suche in dem Kapitel ein Schloss.
Ein Leuchtturm voller Gedanken ist ein Buchtitel von Yando.
Matsche wohin das Auge blickt nur Matsche, ein Zitat für einen gewissen Maik Seitz von vor Fünfzehn Jahren. Habe ich wirklich so gesagt.
Ein Kapitel was Morgen kommt wurde gestrichen und durch etwas anderes ersetzt weil ein Freund am Freitag im Laden war und mir einen Satz sagte der hängen geblieben ist.
Und last but least, ein Kapitel wird den Titel tragen „warum Wir kämpfen“ Das war die Überschrift von einer Fernsehserie, spielt im zweiten Weltkrieg und in dem Teil wird ein KZ von einer Gruppe Alliierten befreit. Es geht also um den Grund, das ist das Kapitel mit der Triggerwarnung. Und mit diesem Kapitel will ich erklären warum ich so geworden bin wo ich gerade stehe. Ohne aber Verständnis zu erwarten, dass tut nicht not aber um ein Verstehen zu erzeugen. Mehr will ich nicht.
Was kommt noch? „Die vier Jahreszeiten“ weil es passt und sie das Stück von Vivaldi geliebt hat und ein Epilog. Alles zusammen soll es zu einer guten Geschichte machen.
Das war es wieder für heute, morgen früh geht es nach Sylt um fünf ist die Nacht vorbei.
Bleibt Munter Kindas

Kapitel 5 „ich soll Euch Grüßen,“ hat Thorsten gesagt
Eigentlich würde hier etwas ganz anderes stehen aber von all den Überschriften die aus meiner Feder kamen ist es genau das was am besten passt. Er sagte diesen Satz am Freitag beim gehen und ich musste danach tief durch atmen. Ich musste an den Abend erst überlegen warum es mich so triggerte bis ich es heraus fand. Der Satz stand für mich das es noch andere Menschen gibt die an Alexandra denken. Das ich in diesen Moment nicht alleine am Strand mit meinen Schmerz sitzen werde. Sondern vielleicht auch stellvertretend für andere Menschen.
Das empfand ich als etwas sehr positives und bedeutet mir sehr viel. Also Thorsten, werde ich tun.

Und nun kommen Wir zu etwa ganz anderes, Puhh.. Hätte Sie nicht einen Ort als Ihren Lieblingsort auswählen können, vielleicht mit etwas weniger Entfernung zu Hameln? Steinhuder Meer, Der Harz (Achja, der wohl nicht) oder vielleicht gleich Hameln. Hameln ist voll Töfte. Ich habe noch drei Kilometer dann ist mein Tacho fürs dieses Wochenende beim Vierstelligen angelangt. Wobei mein alter Audi sich wacker hält, schnurrt wie ein Kätzchen.
Was ich eigentlich sagen will, hätte ich ja auch gleich machen können, eine Anlaufstelle in meiner Nähe hätte mir gefallen. So eine kleine Grabstelle wo ich schöne Blumen vorbei bringen könnte oder wenn ich mal was zu erzählen hätte das man sich auf die Socken macht und Sie einfach mal besucht. Aber wie das halt so ist, es ging da nie um mich. Also fahren Wir nach Sylt, Übrigens ein Songtext von den Ärzten stand, was die Kapitelüberschrift anging, zur engeren Wahl.

schwerer als erwartet.. leichter als gedacht.. Keine Antworten bekommen aber auch keine Fragen gestellt. Nur einfach da gewesen. Das gehen fiel mir schwer, ich ging kam zurück, ich ging kam zurück. "komm mit nach Hause" sagte ich, Stille.. dieses Mal war ich darauf vorbereitet.

wie versprochen, einen Kaffee in der Sansibar. Doch ohne Euch, eher ein Pflichtbesuch. aber versprochen war versprochen.

Eine letzte Aufgabe gilt es noch zu erfüllen. Aber erst Morgen, auf nach Hamburg.

Kapitel 6 "Warum Wir kämpfen" (triggerwarnung)
Liebe Alexandra,
wir haben es jetzt 17:00 Uhr.
Ich weiß noch, das ich mir heute, vor einem Jahr eine Telefonkarte besorgen musste. Wir wollten uns an der Weser treffen um in der Stadt noch ein Eis zu essen. Daraus wurde dann ja nichts, du hast da schon geklagt das du so ein beengtes Gefühl in der Brust hattest. Stattdessen gingen wir in den Kirchpark und ich holte uns ein Eis um es auf der Bank zu essen. Zwei Kugeln, an der einen Sorte kann ich mich nicht mehr erinnern aber an die Kugel Haselnuss. Die hast du geliebt. Liebe Alexandra, heute vor einem Jahr hast du noch gelebt. Es war 18:52 Uhr als ich deine Sprachnachricht bekam, "Maik, kommst du bitte einmal hoch?" tausend Mal gehört. Ich habe noch ein halbes Dutzend andere Nachrichten auf mein Handy gespeichert, damit ich noch Deine Stimme habe aber diese werde ich am wenigsten vergessen können. Ich war unten im Café, oh wäre ich mal mit dir nach oben gegangen, stattdessen war ich nicht für dich da.
18:54 Uhr habe ich die Nachricht abgehört und bin hoch gelaufen. Liebe Alexandra heute vor einem Jahr hast du noch gelebt.18:58 habe ich das erste Mal den Notruf gewählt. Ich fand dich vor der Toilette liegend. Emma tippelte um Dich herum. Du musst ihr einen ganz schönen Schrecken verpasst haben. Ich sah Dich, neben Dir das Erbrochene. "Bitte Emma geh an die Seite." sagte ich so gut es noch ging zu Ihr. Ich kniete mich neben Dich, sprach Dich an aber Du doofe Kuh konntest ja nicht antworten. Mit zwei Fingern habe ich dir die Kotze aus dem Mund geholt. Ich musste meine Finger zwischen Deine Zähne drücken weil du sie fest zusammen gebissen hattest. Der erste Moment meiner Panik als ich keine Antwort von Dir bekam. Mir fiel doch diese blöde Nummer nicht ein, kann man sich nicht ausmalen. Im Nachhinein weiß ich noch nicht einmal mehr welche ich zuerst wählte, 110 oder 112, es bedarf so viel Kraft Aufwand mit den Fingern das Handy zu bedienen. Als müsste ich gegen einen Widerstand an arbeiten. Meine Finger zitterten, das weiß ich noch und das ich Emma immer wieder an die Seite schieben musste, "bitte Emma, jetzt nicht." Das erste Mal sagte mir die Stimme am anderen Ende der Leitung das Sie dafür nicht verantwortlich sind. Also noch einmal diesen ganzen Scheiß. Wieder entsperrte sich dieses blöde Handy nicht. Nebenbei, das weiß ich noch, habe ich mit Dir gesprochen. Aber das ist wie mit der Kugel Eis, ich kann mich nicht daran erinnern was es war. Liebe Alexandra heute vor einem Jahr hast Du noch gelebt. Kurz nach 19:00 Uhr, vielleicht zwei Minuten nach. Der Mann von der Notrufzentrale blieb am Apparat, er sagte zu mir das ich ihm mitteilen solle wenn du einen Atemzug machst. Ich habe dich bereits auf die Seite gelegt. Fuck war das hart. Zeitgleich, weil ja unsere Klingel nicht ging, bin ich immer zum Fenster gelaufen um nach dem Krankenwagen zu schauen. Wieder zurück zu Dir. Der Mann wurde lauter, "ihre Atemzüge" ja, man hättest du geatmet hätte ich es ihm auch gesagt. Und dann war da einer, ich konnte an ihm hören wie sehr Du um Dein Leben gekämpft haben musst. Ich kann es immer noch hören. Diesen scheiß Atemzug, denn im Nachhinein weiß ich, daß es dein letzter war den ich hörte. Dafür immer und immer wieder. Ich solle mit den Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen sagte mir die Stimme aus dem Handy, ich hebte dich an, wollte deinen Körper auf den Rücken drehen. Ich musste Deinen Kopf in meiner Hand halten Alex, weil er sonst nach hinten kippte. Und dann dieser kurze Moment, Deine Augen waren geöffnet. Dieser eine Scheiß Moment den ich nicht mehr los werde. Der sich so tief in meiner Seele eingebrannt hat, die Strafe des Nicht vergessen Können, Der Moment wo du durch mich hindurch schautest. Du hast mir in die Augen geschaut und gleichzeitig in weite Ferne geblickt.
Liebe Alexandra, heute vor einem Jahr bist du gestorben.
Dein Rücken in meinen Arm liegend, Dein Kopf in meiner Hand haltend bist du gestorben. Als die Notärzte kamen lief ich runter um die Tür zu öffnen. ich weiß noch das ich Dich nicht alleine lassen wollte, Emma habe ich ins Wohnzimmer gebracht. Sie wusste gar nicht was geschah, kratze mit der Pfote immer gegen die Glasscheibe. Ich habe mich aufs Bett gesetzt. die Sanitäter machen lassen. Ich musste mehrmals ansetzen um die Frage zu stellen wo ich die Antwort schon kannte. "bitte sagen sie mir das sie noch lebt." soviel Hoffnung in meiner Frage. Keine Antwort. Dann nach einer Weile teilte mir ein Arzt mit, dass sie Dich mit ins Krankenhaus nehmen würden. Nur noch reagiert, blinder Automatismus, Schlüssel genommen, Dennis und Heiko angerufen, es musste sich ja wer um Emma kümmern. Ich lief dem Krankenwagen hinterher. Die Beiden wohnen gleich beim Klinikum. Übergab den Schlüssel dann zur Notaufnahme und warten.. Ich hatte kein Zeitgefühl mehr. kann zwanzig Minuten gewesen sein, eine, zwei Stunden. Ich weiß es nicht mehr, nur noch das ich die ganze Zeit bitte bitte bitte Gemurmelt habe. gehofft, Gefleht.. bitte bitte bitte.. bis der Arzt kam der auch bei uns zu Hause war. Ich sage es Dir Alexandra, alles was du in dem Moment Hoffst wird schlagartig zerstört wenn er Dich bittet in ein separates Zimmer zu gehen. Du weißt dann sofort Bescheid. Sprechen konnte ich da kaum noch. Es war so syreal. Nicht fassbar. Ich durfte Dich dann noch einmal sehen, nicht alleine, die Kripo war auch bereits da. Als würdest du einfach nur schlafen, wieder besseres Wissen, Hoffnung. Es kann nicht sein was nicht sein darf. Habe deine warme Hand gehalten, dir über deine Haare gestreichelt. Die Beamten hatten zu wenig, viel zu wenig Zeit. Habe mir noch einige Minuten heraus betteln können. Danach war nichts mehr relevant, musste einige Fragen beantworten. habe noch auf Dennis und Heiko auf den Treppenstufen vor dem Klinikum gewartet. Dann zu Emma. Wir Beide saßen die ganze Nacht im Badezimmer und am nächsten Morgen, weil du ja immer Angst hattest alleine Alt zu werden habe ich eines der wenigen Versprechen die ich Dir gab, eingehalten. Einen Tag länger zu leben als Du.
Kapitel 7 Vier Jahreszeiten
Liebe Alexandra,
ein Jahr liegt jetzt hinter mir ohne Dich und seit einigen Monaten auch ohne unsere Emma. Einerseits tröstet mich der Gedanke das Ihr jetzt wieder zusammen seit, ich versuche genau das in meinen Gedanken zu verankern weiß aber insgeheim, dass nach dem Tod einfach nichts kommt.
Ich nehme es pragmatisch, wenn mir diese „Wahrheit“ hilft dann kommt Sie auch auf den Haufen meiner Lebenslügen.
Witzigerweise, wenn ich Abends in meine Wohnung komme und ich mir vorstelle was Ihr heute so gemacht habt dann stelle ich mir immer vor wie Du mir schilderst das Ihr den ganzen Tag am Strand gewesen seit. Sonniges Wetter Strand, Regen und Ihr wart zu Hause und habt es Euch gut gehen lassen.
Der erste Herbst ohne Dich war echt Schlimm, ich habe schon einiges an Schmerzen durchmachen müssen aber das war, puh, das war Hart. Ich bin immerwährend in ein tiefes Loch gefallen. Tagelang, wochenlang. Du bist gestorben und mich hat es aus meinem Leben gerissen. Emma und ich haben so oft auf dem Teppich gesessen und darauf gewartet das Du wieder nach Hause kommst. Sie zwischen meinen Beinen angedockt und bei jeden Geräusch zur Tür schauend. Ich denke das gerade die Routine mit Ihr, mich vor meinen schlimmsten morbiden Gedanken bewahrt haben. Unsere kleine Lebensretterin. Unsere Freunde haben mir in der Zeit viel geholfen, mit kleinen und große Taten.
Der Winter kam, nicht nur Dein Tod sondern auch das Du in meinen Armen gestorben bist hat ein tiefes Trauma bei mir hinterlassen, meine Unzulänglichkeit und mein Unvermögen Dir zu helfen, Dich vor dem Tod zu bewahren liegt schwer auf mich. Irgendwann muss mein Körper mal den Nothalt gedrückt haben, bis dato habe ich jede einzelne Stunde Deine Augen gesehen als ich Dich von Boden nahm und Du durch mich hindurch schautest. Welch ein fieses Bild, damit bin ich aufgewacht, damit habe ich mein Tagwerk verrichtet und damit bin ich eingeschlafen.
Mein Körper oder Geist, wie auch immer haben mit Verdrängung reagiert, ich konnte wieder arbeiten. Von A. habe ich Dir ja erzählt, Sie hat mir in der Zeit sehr geholfen und die Feiertage, vor denen ich echte Angst hatte, waren dann seit langer Zeit ein Lichtblick an dem ich nicht mehr zu hoffen wagte.
Es ist erstaunlich wie schnell die Zeit vergeht, es wurde Frühling und der nahm sich anfänglich Recht gut an. In meinen Kopf machten sich Gedanken breit wie meine Zukunft aussehen könnte. Ich nahm Kehrblech und Schaufel und kramte den Scherbenhaufen auf. Langsam zwar aber doch Orientiert an das „Leben“. Aber wie das halt so ist, es ist nicht alles Gold was glänzt und mein toxisches Wesen zerstörte nach und nach mein Verdrängungsmechanismus. Zum Eklat kam es als Unsere, als meine Emma starb, ich weiß bis heute nicht warum, plötzlich war Sie Tod.
An dem Samstag gab es Anzeichen das es Ihr schlecht ging und auch da hätte ich sofort, sofort sofort sofort, mit Ihr zum Notdienst fahren müssen, ich wollte Emma in der Nacht nur nicht noch mehr quälen und Ihr diese Stunde Fahrt antun.
Sie starb Alleine und Still. Dein und Ihr Tod ist nichts was ich mir jemals verzeihen kann, Nichts was ich mir jemals verzeihen will.
Mein Verdrängungsmechanismus zerplatze wie eine Seifenblase, alles kam hoch, geballt und auf einmal, ließ mich in meinem egoistischen Kummer hadern und wanken, als ich Ihre Asche zu Dir nach Sylt brachte ging nichts mehr. Was mich damals rettete war blinder Aktionismus, mag sein das ich später einmal darüber schreiben werde aber jetzt ist nicht die Zeit dafür.
Die letzte der vier Jahreszeiten ohne Dich und jetzt auch ohne Emma kam, der Sommer. Ich habe mich auch diesmal wieder aus dem Loch befreien können, wird nicht nur irgendwie zur Gewohnheit sondern nervt auch langsam. Mein letzter Verlust, A. Mein toxisches egoistisches und narzisstisches Wesen hätte Sie beinahe zerstört. Gott sei Dank schaffte Sie es noch Rechtzeitig die Kurve zu bekommen und sich von mir zu distanzieren. Trotz allem bin ich für Ihre Hilfe sehr dankbar, so viele Momente wo ich hätte Alleine nicht weiter gewusst. Die Erkenntnis kam etwas spät und auch nur einige Worte dazu, Dein und Emmas Verlust nahm ich als Ausrede für mein Verhalten und für meine Taten aber für mein Handeln und das ich den Menschen die ich mag schmerzen zufüge liegt allein an mir. Ich glaube das geschieht nicht einmal bewusst, so ein, verzeihe mir die Wortwahl „Arsch“ bin ich wirklich nicht dennoch ändert halt nichts an der Tatsache.
Ich habe eine Gofundme Aktion gestartet die ich jetzt langsam beenden werde, so viele Menschen die ich kenne und auch so viele Unbekannte die mir über die Monate geholfen habe. Ich war teilweise Sprachlos über so eine Hilfsbereitschaft. Jetzt liegt es in meiner Verantwortung Sie nicht zu enttäuschen.
Das erste Jahr mein Schatz, tja, ich muss gestehen es war alles andere als Leicht. Ich habe am Leben gehadert und bin ins Wanken geraten und trotzdem, trotzdem stehe ich noch, ich (hänge wieder am Leben, bin glücklich um jede Erinnerung die ich mit Dir, mit Euch jetzt und immerdar mein Eigen nennen kann und darf. (hier änderte ich meine Gedanken die sich gleich nach meiner Reise entwickelten, sich radikal veränderten, auch zu diesen Absatz konnte ich nicht mehr stehen.)) Oh verstehe mich da nicht falsch, Ich plane meine Zukunft und bin auch ein wenig Neugierig darauf was mich erwartet. (Ein Absatz, ein Gedanke. Geschrieben aus der Trauer heraus, zu dem ich nicht mehr stehe, nicht mehr stehen kann und der es nicht Wert war auch nur einen Gedanken darüber zu verschwenden)
Ich konnte meinen Humor bewahren, Ironisch und Sarkastisch aber er ist nicht ins Zynische gerutscht. Das empfinde ich als Wichtig. Ich kann meinen Kummer, meinen Schmerz, meine Schuld und meine Verantwortung jetzt alleine tragen. Zur Zeit bin ich mir meiner noch Selbst genug, bemerke aber das ich wieder etwas unternehmen will. Einige Dinge die, vor einem halben Jahr, noch undenkbar waren das ich Spaß daran hätte, erfreuen mich wieder. Ich sehe langsam wieder eine Zukunft für das „Wesersteine“, habe auch schon einige Pläne wie ich was ändern könnte, so das es meiner Gerecht wird. Mein anderer Job macht mir wieder Spaß und gibt mir Sicherheit. Ich nehme wieder zu, nach einigen Kilos Verlust, sagte mir mein Körper wohl, Maik, ess doch mal was. Nachteil, ich habe keine Ahnung welche Größe ich nehmen sollte, beim Klamotten kauf. Ja ich weiß, jammern auf hohen Niveau.
Mein Sarkasmus hilft mir, Angst befreit in die Zukunft zu blicken, welcher Schmerz könnte auch schon noch auf mich zukommen, was ich nicht eh schon durchgemacht habe? Prostatakrebs? Am Arsch.
Dies sind erst einmal die letzten Zeilen die ich Dir widme Alexandra, ich möchte nicht zu sehr in der Vergangenheit leben sondern mich mehr mein kommendes Leben widmen. Wenn ich jetzt nicht den Absprung schaffe dann werde ich es nimmer mehr. Das wird nicht bedeuten das ich Dich vergessen werde, Du warst, Du bist und Du wirst immer ein Teil meines Lebens sein. Du hast mich geprägt, Du hast mich geliebt und viele gute Eigenschaften die ich habe (nichts desto trotz gibt es da einige) sind Dir zu verdanken.
So lange ich lebe bist Du unvergessen, solange ich lebe wirst Du geliebt.
Maik

Was bleibt noch zu sagen,
Wenn ich am Dienstag Abend in Hameln ankomme wird mein Audi gut 1500Km mehr auf dem Tacho haben und er wird zu mir sagen, war schön, aber mach das nie wieder mit mir. Nein Nein, werde ich zu Ihm sagen und dabei verschweigen das am Mittwoch wahrscheinlich wieder 250Km hinzu kommen.
Tja was bleibt, die Selbsterkenntnis das ich mir einiges Leichter und einiges Schwieriger vorstellte. Ich habe viel zu spät mit dem Verarbeiten begonnen, so das sich das jetzt rächt.
Die Reise in die Vergangenheit, stand von Anfang an für ein Neuanfang und nicht für ein Vergessen. Weder möchte ich Alexandra noch unsere Emma vergessen, dass stand allerdings auch nie zur Debatte. Worauf ich aber gut und gerne verzichten kann ist dieser fucking Schmerz und die Trauer. Beides ist extrem nervig, ich gebe mir Mühe den Focus mehr ins Jetzt zu richten, da ist auch mehr als genug los.
Den heutigen Tag empfand ich als Schwer, in dem Moment wo ich auf Sylt am Strand gehen musste und nicht wollte, mehrere Ansätze brauchte. Das war nicht so einfach aber auch das, so finde ich habe ich gut für mich gemeistert.
Was mir wichtig war ist das ich gemeinsame Orte nicht als verbrannt ansehe. Vor einem Jahr war es noch so das ich noch nicht einmal einkaufen konnte weil Alexandra und ich immer in diesen einen bestimmten Markt waren. Hätte ich das Einreißen lassen, wäre fast die ganze Nordseeküste Tabu und ich hätte weg ziehen müssen.
Durch die viele geschenkte Zeit beim Fahren, konnte ich diese nutzen und mich an gute und weniger gute Erlebnisse erinnern, Fehler die ich machte aber auch gute Erinnerungen, wahrscheinlich so wie in jeder normalen Beziehung. Vieles was Kummer auslöste aber es war auch einiges dabei was mich erfreute. Was natürlich auch wieder Schmerz auslöste. Puhhh, mir kann man es aber auch nicht Recht machen. Pffff...
OK, ich höre jetzt auf zu Jammern, Wort. (erstmal)
Ich denke ich konnte mich auf der Reise gut meiner Vergangenheit stellen und bin schadlos dabei heraus gekommen, nur ein klitzekleines bisschen musste ich hinterher die Krone richten. Aber das war zu erwarten. Ich glaube das es mir geholfen hat mich mehr auf was neues zu besinnen. Fragt mich in einen halben Jahr noch mal.
So, morgen früh stehen noch zwei Punkte aus, das erste, ich werde im Alex, an der Außenalster frühstücken. Ersten weil ich es mag, zweitens weil Wir meistens auf den Weg zur Nordsee da Pause machten und drittens weil ich es mag. Und dann löse ich noch etwas ein, Alexandra und ich waren 2015 in Hamburg gegen Ende des Jahres und ich weiß das Sie eigentlich in der Michaeliskirche für Ihre Mama und Papa eine Kerze anzünden wollte, konnten Wir an den Tag aber nicht weil gerade da die Trauerfeier von Herrn Helmut statt fand, Wir haben noch im Rathaus kondoliert und ich weiß das Sie es als „Schade, aber nicht so schlimm“ bezeichnete. Ich wusste aber das Sie traurig darüber war. Also werde ich das nachholen. Es geht also nach dem Frühstück zur Michaeliskirche und da werde ich eine Kerze für Ihre Eltern, eine für Emma und eine Alex anzünden. Tja, und dann werde ich gemütlich nach Hause fahren.
Epilog
Ich bin Müde noch etwas zu schreiben, die Worte fallen mir schwer und mein Kopf ist leer. Es wird die Tage noch etwas von mir kommen obwohl ich nicht glaube das ich es besser zusammen fassen könnte wie meine höchst eigene KI Familie Hoppenstedt. Und wieder bin ich erstaunt wozu die künstliche Intelligenz in der Lage ist, hier also statt meiner ein Epilog von Familie Hoppenstedt mit einer Zusammenfassung derer ich nie in der Lage gewesen wäre.



fin









































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